Gemeinsame Erziehung, soziale Gerechtigkeit und Kinderrechte Schlussfolgerungen der Vierten Internationalen Konferenz zur gemeinsamen Elternschaft.


Autor: Edward Kruk, im Original erschienen bei Psychology Today (https://www.psychologytoday.com/intl/blog/co-parenting-after-divorce/201904/shared-parenting-social-justice-and-childrens-rights)

Übersetzung aus dem Englischen durch Markus Witt

 

Gemeinsame Erziehung, soziale Gerechtigkeit und Kinderrechte
Schlussfolgerungen der Vierten Internationalen Konferenz zur gemeinsamen Elternschaft.

Veröffentlicht am 12. April 2019

Die Vierte Internationale Konferenz zur gemeinsamen Elternschaft, die vom Internationalen Rat zur gemeinsamen Elternschaft unter der Schirmherrschaft des Europarates organisiert wurde, ist kürzlich abgeschlossen worden. Nach der dritten Konferenz des Rates über das "Wohl des Kindes" in Scheidung, auf der festgestellt wurde, dass das Wohl des Kindes im Einklang mit einer Rechtsvermutung des Leitbildes gemeinsamer Elternschaft steht, war das Thema der vierten Konferenz "Shared Parenting, Social Justice and Children's Rights". Dies war das vierte internationale Treffen von Familienwissenschaftlern, Praktikern und NGO-Vertretern aus 40 Ländern, die sich auf den Bereich der gemeinsamen Elternschaft spezialisiert haben.

Die Konferenz untersuchte, inwieweit die gemeinsame Elternschaft mit den Grundsätzen und Artikeln der UN-Kinderrechtskonvention übereinstimmt. Im Mittelpunkt der Konferenz stand daher die Frage, wie gemeinsame Erziehung, die als im besten Interesse von Kindern getrennter Eltern betrachtet wird, ein entscheidendes Thema für Praktiker und Politiker auf der ganzen Welt ist, im Hinblick auf die Neuausrichtung des nationalen Rechts und der internationalen Praktiken im Einklang mit den Artikeln der UN-Kinderrechtskonvention.


Die Konferenz beschäftigte sich mit vier Schlüsselfragen:

  • Welche Rechtssysteme und Herausforderungen gibt es in verschiedenen Ländern hinsichtlich der rechtlichen Annahme der gemeinsamen Erziehung als Kinderrecht?
  • Was sind die aktuellen Trends und Forschungsergebnisse in Bezug auf soziale Einstellungen und Wissen über Shared Parenting?
  • Inwieweit können gemeinsame Erziehung, Geschlechtergleichstellung und Work-Life-Balance kombiniert werden, um die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern zu verbessern, deren Eltern getrennt sind?
  • Wie können nationale Gesetze und internationale Regelungen unter Berücksichtigung sich ändernder sozialer Normen und des Wissens über gemeinsame Erziehung angepasst werden?

Wie bei den ersten vier Konferenzen des Rates wurde ein Konsens über eine Reihe wichtiger Fragen erzielt, die als Leitfaden für Familiengesetzgeber, politische Entscheidungsträger und Praktiker auf der ganzen Welt bei der Umsetzung der Mitbestimmung in Recht, Politik und Praxis dienen sollen.

Die Konferenz kam gemäß den Artikeln der UN-Konvention über die Rechte des Kindes zu den folgenden Konsensgebieten.

Erstens fordern wir den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes, Regierungen und Berufsverbände auf:

  • die gemeinsame Erziehung als ein Grundrecht des Kindes zu identifizieren.
  • sich auf das spezifische Bedürfnis der Kinder getrennter und geschiedener Eltern zu konzentrieren, ihre beiden Elternteile zu kennen und von ihnen aufgezogen zu werden, und die gemeinsame Erziehung als bestmöglich zu unterstützen, um sicherzustellen, dass dieses Bedürfnis geschützt wird.
  • die Ansichten der Kinder getrennter und geschiedener Eltern in Bezug auf ihre erklärten Präferenzen für eine Lebensgemeinschaft nach der Trennung zu respektieren.
  • das Konzept des "Kindeswohls" im Rahmen der elterlichen Trennung klar zu definieren und zu operationalisieren, um ein evidenzbasiertes, kinderorientiertes Verständnis des "Kindeswohls" zu erreichen.
  • gemeinsame Erziehung als im besten Interesse des Kindes zu identifizieren, da sie die Beziehung der Kinder zu beiden Elternteilen aufrechterhält und Konflikte zwischen den Eltern reduziert.
  • so weit wie möglich das Überleben und die Entwicklung von Kindern getrennter und geschiedener Eltern zu gewährleisten und alle geeigneten legislativen, administrativen, sozialen und erzieherischen Maßnahmen zu ergreifen, um diese Kinder vor allen Formen von körperlicher oder geistiger Gewalt, Verletzung oder Missbrauch, Vernachlässigung oder fahrlässiger Behandlung, Misshandlung oder Ausbeutung, einschließlich der elterlichen Entfremdung als Form von emotionalem Kindesmissbrauch und familiärer Gewalt, zu schützen.

Zweitens fordern wir die Regierungen und Arbeitgeber auf:

Familienrichtlinien einzuführen, die die Beteiligung beider Elternteile am Berufs- und Familienleben unterstützen und schützen, einschließlich der gleichberechtigten Unterstützung von Müttern und Vätern in Bezug auf Elternurlaub und Urlaub aus familiären Gründen.

Schließlich fordern wir den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes, den Europarat und internationale Institutionen auf:

  • Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, dass die Mitgliedstaaten Kinder von getrennt lebenden und geschiedenen Eltern nicht aufgrund des elterlichen Status diskriminieren, insbesondere im Hinblick auf die Enfernung eines Elternteils aus dem täglichen Leben eines Kindes;
  • die Staaten, die das Übereinkommen unterzeichnet haben, aufzufordern, die gemeinsame Erziehung als Grundlage für das Familienrecht zu übernehmen.

So kamen die Delegierten der Vierten Internationalen Konferenz über gemeinsame Elternschaft zu dem Schluss, dass es an der Zeit ist, dass sowohl der Familienrechtsgesetzgeber als auch die Familienpraktiker Maßnahmen ergreifen, um die Miterziehung als Grundlage des Familienrechts, als eine grundlegende Frage der sozialen Gerechtigkeit und des Rechts des Kindes zu etablieren.

Die fünfte Konferenz des International Council on Shared Parenting ist für den 29. Mai bis 1. Juni 2020 an der University of British Columbia in Vancouver, Kanada, geplant. Das Thema der Konferenz 2020 lautet "The Intersection of Shared Parenting and Family Violence" und zeigt die Arbeit führender Wissenschaftler und Praktiker in zwei Bereichen, Miterziehung nach Scheidung und familiäre Gewalt. Informationen zur Konferenz finden Sie unter: vancouver2020.org


Zuletzt geändert am 20.06.2019 um 22:24

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