Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein?

Praktische Fragen zur Doppelresidenz

 
 

Voraussetzungen für die Doppelresidenz sind eine grundsätzliche Erziehungseignung und liebevolle Hinwendung beider Eltern zu ihrem Kind. Dazu kommt in der Regel die geografische Nähe beider elterlicher Haushalte, damit die Kinder von beiden Elternhäusern Kita, Schule, Freunde etc. erreichen können. Die Eltern müssen natürlich auch dazu bereit sein, die Betreuung der Kinder wahrzunehmen.

 

Wünschenswert ist, dass sich die Eltern im Interesse ihrer Kinder konstruktiv und vernünftig austauschen und verständigen können. Gibt es bei der Kommunikation und Kooperation zwischen den Eltern Probleme, können entlastende Maßnahmen ergriffen werden. Hierzu zählen zum Beispiel Übergaben ohne persönliche Begegnung der Eltern über Kita oder Schule, Austausch per E-Mail oder SMS und das Führen eines Umgangsbuches. Selbst mit wenig Kommunikation kann eine Doppelresidenz funktionieren. Wie gut oder schlecht die Eltern kommunizieren und kooperieren können sie selbst beeinflussen, gegebenenfalls mit professioneller Hilfe. Je besser es ihnen gelingt, desto besser ist es für ihre Kinder. Dies gilt allerdings für jedes Betreuungsarrangement, nicht nur für die Doppelresidenz.
 

Welche Vorteile hat die Doppelresidenz für Eltern und Kinder ?

 

 

Ein umfangreicher Kontakt zu beiden Eltern in Alltag und Freizeit erhält und stärkt die Bindung der Kinder zu Mutter und Vater. Den Kindern stehen beide Eltern als geschlechtsspezifische Identifikationsfiguren zur Verfügung, und sie können auf die Ressourcen beider Eltern und ihrer Angehörigen, zum Beispiel die Großeltern und den Freundeskreis zurückgreifen. Dies vermittelt Kindern Sicherheit, Stabilität und Lebenszufriedenheit. Vater und Mutter können auf Augenhöhe Eltern bleiben und ihre Verantwortung für die Kinder im Familienalltag wahrnehmen. Dies erhöht auch für die
Eltern die Lebenszufriedenheit und verringert das Konfliktpotenzial.

Die Doppelresidenz schafft bessere Voraussetzungen, um Beruf und Familie für beide Eltern „unter einen Hut“ zu bringen. Sie erhalten damit bessere Chancen, ihren Kindern und sich selbst eine gesicherte wirtschaftliche Grundlage zu schaffen. Alleinerziehend zu sein birgt nach wie vor ein sehr hohes Armutsrisiko – die Doppelresidenz mindert dieses nachhaltig, da sich Mutter und Vater in der Kinderbetreuung abwechseln und sich beruflich mehr engagieren können.

Die geteilte Elternverantwortung verbessert auch das Zusammenleben mit den Kindern. Die Kinder erleben mehr Qualitätszeit mit beiden Eltern, da diese unter Umständen Routineaufgaben im Haushalt in die kinderfreie Zeit auslagern und die Zeit mit ihren Kindern sinnvoller nutzen können.

 


 

Muss es immer Woche-Woche sein ?

 

 

Die Doppelresidenz wird häufig mit einer Betreuungsaufteilung „eine Woche Mama – eine Woche Papa“ (7/7) gleichgesetzt. Es gibt aber verschiedene Varianten der Zeitaufteilung, welche sich an den Bedürfnissen der Kinder und den Möglichkeiten der Eltern orientieren. Bei kleinen Kindern kann beispielsweise eine Betreuung 2/2/3 Tage oder 5/5/2/2 Tage sinnvoll sein, bei größeren Kindern vielleicht auch 14/14 Tage. Der Rhythmus kann sich auch ändern und den Bedürfnissen von Mutter, Vater und vor allem der Kinder angepasst werden. Gute Zeitpunkte, den bisherigen Rhythmus zu überprüfen, sind z.B. der Schulbeginn oder der Übergang zur weiterführenden Schule.

 

Praxisbeispiel Manuela, 44 Jahre

Warum wir uns für die Doppelresidenz entschieden haben

Als wir uns Anfang 2004 trennten, war für uns trotz allem eines klar: Wir wollen und können zwar kein Paar mehr sein, aber wir wollen weiterhin Eltern bleiben für unsere drei Kinder, die zu dem Zeitpunkt fast 2, 4 und 8 Jahre alt waren. Schon vor der Trennung haben wir uns gemeinsam um unsere Kinder gekümmert, auch, damit wir beide berufstätig sein können. Das Wort „Doppelresidenz“ war uns damals völlig unbekannt, auch kannten wir in unserem Bekanntenkreis nur Modelle, bei denen in der Regel der Vater die Kinder nur alle 2 Wochenenden gesehen hat.

Das wollten wir für unsere Kinder nicht. Wir wollten keine Wochenend­Eltern sein. Wir wollten Teil des Alltags der Kinder sein und keine Wochenend­-Vergnüger. Zunächst haben wir daher das sogenannte Nestmodell etabliert: Die Kinder blieben weiterhin an dem für sie gewohnten Ort (in unserem Haus). Wir Eltern sind wochenweise ein- und ausgeflogen.

Später haben wir uns dafür entschieden, dass wir Eltern getrennte Wohnungen beziehen und die Kinder wechseln. Dazu haben wir auch die Hilfe einer Erziehungsberatung in Anspruch genommen. Wir hatten Glück, dass uns jemand beraten hatte, der unserem Vorhaben offen gegenüber stand, obwohl er von der Doppelresidenz noch nie gehört hatte. Gemeinsam haben wir festgelegt, wie die Ausgestaltung der Doppelresidenz für alle Beteiligten am besten wäre.

Wir haben über die Jahre immer wieder Veränderungen an unserer Doppelresidenz vorgenommen. Diese Veränderungen wurden in der Regel von den Kindern angestoßen, mit denen wir regelmäßig im Rahmen eines „Familienrates“ darüber gesprochen haben was gut läuft, was aber auch nicht so gut läuft. So haben wir nicht nur die Wechsel selbst optimiert, sondern auch den Wechseltag geändert oder auch den Wechselrhythmus verändert. Wir haben darüber hinaus versucht, so flexibel wie möglich zu agieren. Babysitter Nr. 1 war daher immer der Ex­Partner, der z.B. einsprang, wenn man auf Dienstreise musste oder abends noch eine berufliche Verpflichtung hatte.

Für uns Eltern bedeutete die Doppelresidenz nicht nur jeweils eine Woche “volles Haus“, sondern auch eine Woche „kinderfrei“. Das war am Anfang nicht immer leicht, hat man doch die Kinder vermisst und vielleicht gab es auch mal leichte Zweifel, ob der andere Elternteil das genauso gut schafft wie man selbst. Aber wer sollte es besser können als der an dere Elternteil, der seine Kinder genauso liebt, wie man selbst? Dazu kam dann schnell das Gefühl von „ich kann jetzt auch mal tun und lassen was ich will“. Kann mich in der Kinderwoche ganz auf meine Kinder konzentrieren und in der anderen Woche auf mich und meine Bedürfnisse.

 

 

Ist die Doppelresidenz mit einem erhöhten Aufwand verbunden ?

 

 

Zwei getrennte elterliche Haushalte sind sowohl bei der Einzel- als auch bei der Doppelresidenz mit Mehrkosten und einem erhöhten organisatorischen Aufwand verbunden. In der Doppelresidenz müssen die Kinder eher weniger Sachen zu den Aufenthalten beim anderen Elternteil mitnehmen, da in der Regel in beiden Haushalten eine entsprechende Ausstattung vorhanden ist. So benötigen Kinder in der Doppelresidenz oftmals keine Koffer oder Taschen, sondern wechseln mit ihren Schulsachen und vielleicht dem Lieblingskuscheltier vom einen zum anderen Elternteil. Es liegt an den Eltern, ob sie beispielsweise Sportgeräte, Jacken oder Schuhe doppelt anschaffen oder diese zwischen beiden Haushalten wechseln lassen. Je besser sich die Eltern in solchen Fragen abstimmen können, desto geringer fallen die notwendigen Mehrkosten aus. Da beide Eltern in den Alltag der Kinder eingebunden sind und in ihren Haushalten jeweils über die notwendige Ausstattung der Kinder verfügen, reduziert sich auch der Umfang von Abstimmungen zwischen ihnen.

Gerade wenn sich die Kommunikation zwischen den Eltern schwierig gestaltet, stellt die Doppelresidenz eine deutliche Entlastung für Eltern und Kinder dar.

 

Praxisbeispiel: Franziska, 34 Jahre


Ich bin Mutter einer 8­jährigen Tochter und wir praktizieren die Doppelresidenz seit 4 Jahren, allerdings ohne zu wissen, dass das Modell Doppelresidenz heißt, einfach nur weil es die beste Lösung für alle zu sein schien. Und tatsächlich hat sich das Modell bewährt. Montag ist Wechseltag, da bringt der eine Elternteil unsere Tochter zur Schule und der andere Elternteil holt sie ab.

In der Woche, in der meine Tochter bei mir ist, arbeite ich kürzer, damit ich voll für sie da bin, und in der anderen Woche länger, um die fehlen den Stunden aufzuarbeiten. So kann ich sowohl meine Rolle als Mutter als auch mein Leben als voll berufstätige Frau leben, meine Tochter ist glücklich und ich bin nicht auf Geld von ihrem Vater angewiesen. Es ist mir wichtig, meiner Tochter das Leben einer selbstbestimmten Frau vorzuleben. All dies umzusetzen ist meines Erachtens nur in der Doppelresidenz möglich.

Es bestärkt mich sehr, wenn ich höre, wie gut das Modell für Kinder ist, aber ich finde, dass im Internet und in der Presse viel zu wenig darüber geschrieben oder gesagt wird, dass die Doppelresidenz auch ein riesiger Fortschritt für uns Frauen ist. Alleinerziehende sind so oft von Karrieren ausgeschlossen, sind sehr viel öfter von Armut betroffen und sind viel anfälliger für Burnout oder ähnliches. Alles dies ist vermeidbar in der Doppelresidenz.

Für mich ist die Doppelresidenz einfach die ideale Lebensweise nach einer Trennung für Kind und Mutter und Vater. Ich denke Kinder brauchen beide Eltern, und zwar gleichberechtigt, und es gibt für mich keinen Grund, meiner Tochter dies vorzuenthalten.

  

Vorteile der Doppelresidenz bei der Betreuung der Kinder

 

 

Die Doppelresidenz bietet auch die Chance, flexibel auf die Bedürfnisse der Kinder und des anderen Elternteils zu reagieren. Beide Eltern sind darauf eingerichtet, sowohl an Wochentagen als auch an Wochenenden regelmäßig Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und ein vollwertiges Zuhause zu bieten. Hat ein Elternteil aufgrund persönlicher Umstände an einem Wochentag einmal keine Zeit, kann der andere Elternteil – unter Berücksichtigung seiner beruflichen Verpflichtungen - einfacher einspringen, als wenn er sonst nur am Wochenende für seine Kinder sorgen würde.

Auch kann auf das familiäre Umfeld wie Großeltern, Onkel, Tanten und den Freundeskreis beider Eltern zurückgegriffen werden, wenn beispielsweise durch Krankheit des Kindes, Kita-Streik oder Schulausfall die sonst genutzte Fremdbetreuung nicht zur Verfügung stehen sollte.

Das familiäre Umfeld beider Eltern bleibt den Kindern bei der Doppelresidenz eher erhalten als bei einer Einzelresidenz. Gerade Großeltern können als weitere wichtige Bezugspersonen neben den Eltern ein stabiler Pol im Leben der Kinder sein.

Für Großeltern, die in der Nähe wohnen, bietet die Doppelresidenz eine größere Chance, weiterhin intensiv am Leben ihrer Enkelkinder teilhaben zu können.

 

Logo doppelresidenz.org

 

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