Vorteile der gemeinsamen Betreuung: Kinderrecht und Elternpflicht



Übersetzung aus dem Englischen durch Markus Witt (Anmerkung: die deutschen Begriffe Sorgerecht, Umgang und Doppelresidenz / Wechselmodell werden im englischen teilweise

Im Original erschienen im amerikanische Divorce Magazin (https://www.divorcemag.com/blog/benefits-of-shared-custody/ )

 

Trotz der Erkenntnis der schädlichen Auswirkungen der Alleinerziehung und der vielen Vorteile der gemeinsamen Erziehung, sind die Kritiker weiterhin gegen die gemeinsame Betreuung. Hier erfahren Sie, warum Scheidungskinder davon profitieren, mit beiden Elternteilen aufzuwachsen.

Von Michael V. Fancher

Kategorien: Kinder und Scheidung, Kinder- und Elternprobleme nach Scheidung, Miterziehung nach Scheidung
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Vorteile der gemeinsamen Betreuung Kinderrecht und Elternpflicht

 

Es gibt viele Vorteile der gemeinsamen Betreuung für Kinder und Eltern, und das aus gutem Grund. Etwa die Hälfte aller US-Kinder erleben die Scheidung ihrer Eltern, und fast die Hälfte dieser Kinder erleben auch die Beendigung der zweiten Ehe eines Elternteils.

Das bedeutet, dass die Hälfte der zukünftigen Entscheidungsträger Amerikas von der Scheidung betroffen sein wird, und die Verantwortung liegt bei Eltern und Gerichten, dafür zu sorgen, dass diese Auswirkungen so gering wie möglich sind.

Aber so wichtig diese Verantwortung auch ist, wir stehen nach wie vor weitgehend hinter einem veralteten und ungünstigen Betreuungsmodell, das auf der altmodischen Annahme beruht, dass die Mutter die natürliche Betreuungsperson ist. Die Eltern stimmen überein, der Mutter in über 51% der Fälle in das volle Sorgerecht zu geben, wodurch der Vater in einen Besucherstatus verbannt wird, der Kindern und Eltern gleichermaßen schadet.

 

Vorteile der gemeinsamen Betreuung für Kinder

 

 

Die Logik legt nahe, dass, wenn die Alleinerziehung scheitert, die gemeinsame Erziehung nach der Scheidung die bessere Wahl sein muss. Wir müssen uns jedoch nicht nur auf die Logik verlassen. Studien von Familien in den USA und im Ausland haben ergeben, dass Kinder, die mindestens 35% ihrer Zeit mit jedem Elternteil verbringen:

  • bessere Beziehungen sowohl zu ihrer Mutter als auch zu ihrem Vater haben.
  • Besser in der Schule und mit besseren Noten sind.
  • Besser psychisch und sozial entwickelt sind.
  • Sie weniger rauchen, weniger Drogen nehmen und weniger trinken.
  • Sie haben ein geringeres Risiko, an Depressionen, Angstzuständen und anderen stressbedingten Problemen zu leiden.

 

Auswirkungen von Alleinerziehung

 

 

Wenn Kinder mit einem Alleinerziehenden Elternteil aufwachsen, sei es ihre Mutter oder ihr Vater, leiden sie auf vielfältige Weise. Die Bundesstatistik zeigt, dass von Alleinerziehenden erzogene Kinder:

  • 90 Prozent der entlaufenen und obdachlosen Kinder
  • 85 Prozent der Kinder mit Verhaltensstörungen
  • 85 Prozent der Inhaftierten
  • 75 Prozent der Kinder in Zentren für Drogen- / Medikamentenmissbrauch
  • 71 Prozent derjenigen, die die High School abbrechen.
  • 70 Prozent der Jugendlichen in staatlich betriebenen Einrichtungen
  • 63 Prozent der Selbstmorde bei Jugendlichen

ausmachen.

Trotz des Beweises der schädlichen Auswirkungen der Alleinerziehung und der vielen Vorteile der gemeinsamen Erziehung, wenden sich Kritiker weiterhin gegen die gemeinsame Betreuung. Sie argumentieren, dass die gemeinsame Betreuung nur dann funktioniert, wenn beide Elternteile einverstanden sind, und dass Kinder aus Familien mit gemeinsamer Betreuung nur dann erfolgreich sind, wenn ihre Eltern weniger Konflikte haben und finanziell besser dran sind.

Kritiker sind besonders unnachgiebig, wenn es um Säuglinge und Kleinkinder geht, und betonen, dass diese frühe Lebensphase zu wichtig ist, um sie der Pflege der Väter zu überlassen. Diese Phase ist entscheidend für die Entwicklung der Kinder, und aufgrund der Denkweise der Kritiker verpassen viele Väter sie.

Als Reaktion auf diese Behauptungen überprüfte eine Forscherin zwei Studiengruppen: eine Gruppe verglich Konfliktniveaus und Beziehungsqualität zwischen Allein- und Gemeinschaftssorgefamilien und die andere verglich die Ergebnisse von Kindern in jeder Art unabhängig von Elterneinkommen und Konflikt. Ihre Überprüfung ergab, dass:

  • Konfliktniveaus hatten nichts mit dem Erfolg der gemeinsamen Erziehung zu tun. Kinder, deren Eltern ein hohes Maß an Konflikt hatten, profitierten immer noch von der gemeinsamen Betreuung, und es gibt keinen Zusammenhang zwischen der gemeinsamen Betreuung und weniger Konflikten.
  • Das Einkommen hatte keinen Einfluss auf die Ergebnisse der gemeinsam betreuten Kinder. Darüber hinaus waren die Eltern mit gemeinsamem Sorgerecht nicht wesentlich reicher als die Eltern mit alleinigem Sorgerecht.
  • Die meisten Eltern, die sich die Betreuung der Kinder teilten, stimmen dem Plan ursprünglich nicht freiwillig zu. Mediation, Gerichtsbeschlüsse oder andere Verhandlungen sind in der Regel notwendig, damit die Eltern eine Einigung erzielen können. Dennoch sind ihre Kinder besser dran als die in Alleinerziehenden-Haushalten.
  • Säuglinge und Kleinkinder, die sich die Zeit mit den Eltern teilen, haben keine schlechteren Ergebnisse als diejenigen, die dies nicht tun. Die Aufteilung der Übernachtungszeit zwischen den Eltern schwächt die Bindung dieser Kinder an beide Elternteile nicht.

Elternkonflikte, Familieneinkommen, die Übereinstimmung der Entscheidung und das Alter der Kinder machen keinen Unterschied: Kinder profitieren einfach davon, mit beiden Elternteilen aufzuwachsen.

 

Die Zukunft der Elternschaft

 

 

All diese Erkenntnisse öffnen die Augen der lokalen Gesetzgeber, die jetzt alle Vorteile der gemeinsamen Erziehung sehen und verstehen. Im April 2018 verabschiedete Kentucky als erster Staat ein Gesetz, das die gemeinsame Betreuung oder die gemeinsame Erziehungszeit zum Ausgangspunkt für Scheidungsfälle mit Kindern macht. Ein Elternteil kann als ungeeignet für eine gemeinsame Erziehung angesehen werden, aber nur, wenn Faktoren wie häusliche Gewalt im Spiel sind.

Die Tatsache, dass dieser Gesetzentwurf einstimmig im Senat von Kentucky und 81 zu 2 im Parlament verabschiedet wurde, zeigt, wie sehr sich beide Parteien dafür einsetzen, die Kultur des Familiengerichtssystems des Staates zu verändern. Zuvor war es in Kentucky üblich, fast die gesamte Erziehungsverantwortung an einen der Hauptbetreuer zu vergeben und nur die Besuchszeit an den anderen.

Weniger als einen Monat nachdem Kentucky diese Änderung vorgenommen hatte, verabschiedete Virginia ähnliche Gesetze, die "verlangen, dass das Gericht formell das gemeinsame Sorgerecht als gleichwertig mit dem alleinigen Sorgerecht betrachtet". Mehr Gesetzesvorlagen könnten bald folgen, da mehr als 20 andere Landesregierungen erwägt haben, Gesetze zu erlassen, die entweder das gemeinsame Sorgerecht fördern oder es zum Rechtsstandard machen würden.

Aber diese Gesetzesänderungen werden uns nur einen Schritt weiterbringen. Eltern müssen die Vorteile der gemeinsamen Erziehung in Betracht ziehen und beginnen, sie nicht als Ideal, sondern als das Recht ihrer Kinder zu betrachten. Kinder verdienen eine Kindheit, die sie auf Erfolg und nicht auf Misserfolg einstellt - und es ist die Pflicht der Eltern, dies zu gewährleisten, indem sie gemeinsame Erziehung zum Erfolg führen.


Zuletzt geändert am 20.06.2019 um 21:01

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